Bamberger altstadt bier und stadtfuehrung

Stollenanlagen am Stephansberg

Die Stollenanlagen am Bamberger Stephansberg sind ein wichtiges Stück der Geschichte - und der Bamberger Bierkultur.

Änderungen und Irrtümer vorbehalten. Bitte informieren Sie sich beim Veranstalter über etwaig aktuell geltenden Besonderheiten oder Änderungen. Für die Aktualität und Korrektheit der hier aufgeführten Informationen wird keine Haftung übernommen.

Ein fast 12 km langes Stollensystem entstand zwecks Sandgewinnung aus dem Keupersandstein. Es diente später der Nahrungs- und Bierlagerung und wurde während des 2. Weltkrieges als Luftschutzraum und Produktionsstätte Bamberger Firmen verwendet. Die Begehung ist zugleich ein Rückblick auf eine fast 1000-jährige Vergangenheit. Von dem Höhlensystem sind ca. 2 km unter dem Stephansberg für die Öffentlichkeit erschlossen.

Adresse und Parken

Treffpunkt

Sternwartstr. 1/3, 96049 Bamberg

Links direkt vor dem Eingang zum Schulhof des E.T.A. Hoffmann Gymnasium

What Three Words: einhalten.erfolgt.belebten
Geokoordinaten: 49.88656897354458, 10.887719899172506

Parkplätze

  • nicht vorhanden
  • Parken in der Umgebung begrenzt möglich
  • am besten zu Fuß zur Führung kommen

Rund um die Führung

Öffnungszeiten

Zugang nach Vereinbarung ganzjährig möglich

Preis

zwischen 8 – 15 € pro Person je nach Gruppengröße und Veranstalter

Gruppengröße

  • bis zu 20 Personen je Gruppe
  • Führung von 2 Gruppen gleichzeitig möglich

Anmeldung erforderlich
Ja, Zugang nur mit Anmeldung

Kinder erlaubt
Kinder ab 8 Jahre in Begleitung Erwachsener

Begleittiere erlaubt
grundsätzlich nicht

Barrierefrei
Nein: Treppen, unebenes Gelände, schmale Gänge machen Zugang mit Rollstuhl und Gehhilfen schwierig bis unmöglich

WC
Nicht vorhanden. Bitte vorher eine der öffentlichen Toiletten benutzen.

Sprachen
deutsch,englisch

Während der Führung

Temperatur
ganzjährig zwischen 8 - 9° C

Führungsdauer
ca. 90 Minuten

Strecke
ca. 1 km

Fotografie
Ja

Ausrüstung
Erforderlich: Helme werden gestellt, eigene Taschenlampe erforderlich. Angepasste Kleidung wird empfohlen.

Luftfeuchtigkeit
derzeit keine Angabe

Buchungen bitte hier anfragen:

Gruppenführungen:

BAMBERG Tourismus und Kongress Service
Geyerswörthstr. 5
96047 Bamberg

Tel. 0951/2976330
www.bamberg.info
info@bamberg.info

Führungen für Einzelgäste:

VHS Bamberg Stadt
Tränkgasse 4
96052 Bamberg

Tel. 0951/87 1108
www.vhs-bamberg.de
info@vhs-bamberg.de

Bitte beachten:

Gesundheitliche Anforderungen

Aufgrund besonderer klimatischer und technischer Gegebenheiten im Stollen ist der Zutritt nicht geeignet für:

  • Personen mit Angst vor Enge oder Dunkelheit
  • Personen, die eine erhöhte Belastung von Herz, Kreislauf, Atmung vermeiden sollten
  • Schwangere ab dem 5. Schwangerschaftsmonat
  • Personen mit Neigung zu epileptischen Anfällen
  • Personen mit Immunschwäche

[Die Angaben wurden dem offiziellen Hinweisblatt für Anmelder von Besuchergruppen für Stollenführungen der VHS Bamberg Stadt mit Stand 07. 2023 entnommen]

Impressionen der Stollentour

Ein kurzer Einblick in die ersten Meter einer Tour von 90 Minuten unterhalb der Erdoberfläche von Bamberg.

Bamberg Felsenkeller Zugang oberirdisch Bamberg Felsenkeller Abstieg Bamberg Felsenkeller Sicherheit Bamberg Felsenkeller Fuehrung Bamberg Felsenkeller Helme Ausruestung Bamberg Felsenkeller Besichtigung Bamberg Felsenkeller Soldatengrab Bamberg Felsenkeller Ausgang

Die Bamberger Stollen – von der Sandgrube zum Bierkeller zum Luftschutzbunker zum beliebten Tourismusziel

Unter dem Bamberger Berggebiet erstreckt sich ein rund zwölf Kilometer langes Stollensystem, dessen Nutzung sich über die Jahrhunderte immer wieder gewandelt hat: von der Rohstoffgewinnung über die Lebensmittellagerung bis hin zum Luftschutz im Zweiten Weltkrieg. Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Entwicklungsphasen zusammen.

Ursprung und frühe Nutzung (ab 11. Jahrhundert)

Unter dem Bamberger Berggebiet erstreckt sich ein rund zwölf Kilometer langes Stollensystem im Keupersandstein, von dem heute zwei Kilometer unter dem Stephansberg öffentlich zugänglich sind. Ursprünglich diente der Abbau der Gewinnung von Fegsand, einem Vorläufer heutiger Putz- und Scheuermittel. Der Sandstein eignete sich dafür besonders gut, da er beim Abbau feinkörnig zerfällt. Diese Nutzung reicht vermutlich bis ins 11. Jahrhundert zurück und dauerte bis weit ins Industriezeitalter an. Heute fallen die Felsenkeller unter das Bundesberggesetz und unterstehen der Aufsicht des Bergamts Bayreuth.

Wein- und Bierlagerung (17. – 19. Jahrhundert)

Ab dem 17. Jahrhundert wandelte sich die Nutzung: Die gleichmäßigen Temperaturen der Stollen machten sie ideal zur Lagerung von Lebensmitteln und Getränken. Zunächst wurde dort Wein gelagert, der in Bamberg selbst angebaut wurde. Nach den wirtschaftlichen Folgen des Dreißigjährigen Kriegs und den hohen Kosten für importierten Wein verlagerte sich die Nutzung auf die Bierlagerung.

Begünstigt wurde dieser Wandel durch steuerliche Privilegien, die Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim im 18. Jahrhundert dem Brauwesen einräumte – ein wichtiger Grundstein für Bambergs Ruf als bedeutende Bierstadt. Für die benötigte Kühlung wurden in den tiefsten Stollenbereichen Eisgruben angelegt. Im 19. Jahrhundert wuchs das System durch neue Brauereien weiter, teils mit mehreren übereinanderliegenden Ebenen.

Zweiter Weltkrieg (1941 – 1945)

Erst relativ spät, ab etwa 1941, wurden die Stollen systematisch als Luftschutzräume ausgebaut. Ab 1942 wurde nahezu der gesamte unterirdische Raum für Schutzzwecke genutzt, unter anderem durch einen neuen 80 Meter langen Zugangsstollen für die Inselstadt-Bewohner vom Oberen Leinritt aus geschaffen wurde.

1944 mussten drei Bamberger Rüstungsbetriebe kriegsbedingt in die Stollen verlagert werden. Zusätzlich zogen wichtige Institutionen wie die Luftschutzleitung und die Technische Nothilfe dorthin um, ebenso ein überregional bedeutsames Versorgungslager. Beim Bombenangriff am 22. Februar 1945 bewährten sich die Stollen als Schutzräume und hielten – bis auf eine Ausnahme – den Treffern stand. Heute erinnert ein Denkmal in den Stollenanlagen an die Toten des Angriffs.

Nachkriegszeit und Verfall

Mit dem Kriegsende und der amerikanischen Besetzung verloren die Stollen ihre Schutzfunktion. Die zurückgelassenen Versorgungslager wurden geplündert – Zeitzeugen berichteten von einem wahren Schlaraffenland.

Danach gerieten die Anlagen zunehmend in Vergessenheit, während im Untergrund unbemerkt Schäden fortschritten: Erschütterungen durch zunehmenden Straßenverkehr sowie unfachmännisch erweiterte Kriegsstollen führten zu Gesteinsabplatzungen und einer immer dünneren Felsüberdeckung. Zugemauerte Stollen verschärften das Problem zusätzlich, da lokale Schäden an Trinkwasser- und Kanalisationsleitungen zunächst unentdeckt blieben.

Wiederentdeckung und Sanierung (ab 1966)

Am 27. März 1966 brach ein Auto auf dem Stephansplatz plötzlich in einen eingestürzten Stollengang ein – ein Weckruf für die Öffentlichkeit. Da es sich um eine Kriegsfolgelast handelte, war der Bund gemäß dem Kriegsfolgengesetz von 1957 zur Haftung verpflichtet. Es folgten Untersuchungen und Sofortmaßnahmen.

Ab 1981 wurde das System systematisch erforscht und kartiert, unter anderem gestützt auf private Aufzeichnungen des Heraldikers und Heimatforschers Christian V. aus den 1920er/30er Jahren. Von 1982 bis ca. 1987 liefen in Kooperation mit Bund und Land umfangreiche Sanierungsarbeiten mittels Torkretierverfahren (Spritzbeton mit Stahlarmierung), die mehr als 30.000 Kubikmeter Stollenraum dauerhaft sichern sollen.

Öffnung für den Tourismus (ab Ende der 1980er Jahre)

Nach Abschluss der Sicherungsmaßnahmen ist die Öffnung für den Tourismus insbesondere der Arbeit von Herrn Manfred Müller († 2012) vom Brand- und Katrastrophenschutz Bamberg zu verdanken, der sich hier stark gemacht hat und bis zu seinem Tod als Stollenführer mit unbändiger Leidenschaft Gäste durch die Bamberger Stollenanlagen geführt hat.

Zeitstrahl im Überblick

ab 11. Jh.Beginn des Stollenbaus zur Fegsandgewinnung
bis 17. Jh.Nutzung der Stollen zur Weinlagerung
17. – 18. Jh.Übergang von Wein- zu Bierlagerung nach dem Dreißigjährigen Krieg
2. Hälfte 18. Jh.Steuerprivilegien unter Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim begründen Bambergs Ruf als Bierstadt
19. Jh.Ausbau weiterer Stollenanlagen durch neue Brauereien
Februar 1898Vermessung von ca. 30 Stollen unter dem Stephansberg durch das Bergamt
1922 – 1933Chronik-Aufzeichnungen des Heimatforschers Christian V.
ab 1941Beginn des systematischen Luftschutzausbaus
1942Ausbau nahezu des gesamten Berggebiets für Schutzzwecke
1944Verlagerung von drei Rüstungsbetrieben in die Stollen
22. Februar 1945Bombenangriff auf Stephansberg und Kaulberg – Stollen halten stand
Frühjahr 1945Amerikanische Besetzung Bambergs, Ende der Schutzraumnutzung
1953Neugründung der Technischen Nothilfe als Technisches Hilfswerk
27. März 1966Straßeneinbruch am Stephansplatz macht Schäden öffentlich
1957Kriegsfolgengesetz regelt Haftung des Bundes
ab 1981Systematische Erforschung und Katalogisierung der Stollen
1982 – ca. 1987Umfassende Sanierung mittels Torkretierverfahren
Ende der 1980er JahreÖffnung der Stollenanlagen (damals auch „Bamberger Katakomben“ genannt) für den Tourismus